Haben Sie sie auch, diese Stimme oder Stimmen im Kopf? Ich meine die aus der Vergangenheit, die nicht liebevoll ist oder sind. Von einem Lehrer, einem Elternteil, einem Grosselternteil, dem grossen Bruder? Oder haben Sie sie schon zu Ihrer eigenen Stimme gemacht?

Viele von uns hören in der Kindheit Sätze, wie «Mann, bist du blöd!» «Dummerchen! Jetzt hast du das schon wieder falsch gemacht!» «Du bist viel zu langsam!» «Kriegst du denn nie etwas auf die Reihe?» Und so weiter und so fort.

Anerkennung? Hört sich anders an! Aber leider wird noch viel zu oft so mit Kindern geredet. Und obwohl es nicht schön ist und nicht gut tut, internalisieren wir diese Stimmen und diese Sätze, machen sie zu unseren eigenen, und sagen sie uns als Erwachsene dann selbst. Ganz schön blöd, nicht? Und sie fühlen sich dann nicht besser an als damals, als wir klein waren. «Das hast du schon wieder nicht geschafft!» «Du bist faul!» «Du bist so blöd dafür!» «Streng dich endlich mal an!» Oder: «Immer schon Versagerin!»

Ich hatte als Kind Glück und habe nicht viele negative Sätze gehört, aber null waren es natürlich auch nicht. Schon vor langer Zeit habe ich beschlossen, dass das nicht meine Sätze sind. Und so bin ich konsequent darin, mich für meine Bemühungen zu loben, mir Anerkennung zu geben. Wenn ich an einem Tag ins Fitnessstudio gegangen bin, dann sage ich mir: «Gut gemacht!» (Und nicht: «Schon zehn Tage her seit dem letzten Mal, bist ein Faulschwein»).

 

Wenn ich mal nichts anderes im Haushalt geschafft habe als den Küchenboden feucht aufzuziehen (das ist in einem Haushalt mit Haustieren etwas, das man gefühlt jede zweite Stunde machen könnte und es sähe trotzdem nie perfekt aus), dann sag ich mir auch: «Gut gemacht. Das ist erledigt». Und abends erzähle ich mir selbst gerne, was ich an diesem Tag alles gemacht habe. Dazu zählen auch Sachen wie 1 Stunde auf dem Sofa ein Buch gelesen oder an der Sonne Bohnen gerüstet für das Essen nächste Woche oder ein Spaziergang gemacht zu haben. Natürlich schleichen sich manchmal auch andere Sätze von: «Nicht schon wieder!». Aber ich korrigiere mich dann sofort und sage: «Ja, nächstes Mal wird’s besser. Ich’s habe es immerhin probiert.»

Seien wir mal ehrlich: die Stimme, die wir am meisten hören, ist die im eigenen Kopf. Ich habe beschlossen, dass ich eine freundliche, wohlwollende Stimme hören möchte. Denn mit der lebe ich ja bis zum Rest meines Lebens. Aus meiner Sicht kann man nicht genug Anerkennung kriegen, die haben wir verdient!

Und wie haben Sie es mit der inneren Stimme? Geben Sie sich die Anerkennung, die Ihnen zusteht? Sonst dürfen Sie sich, oder besser: Ihre innere Stimme gerne umerziehen!