Etwas Neues?
Wann haben Sie das letzte Mal etwas ganz Neues gemacht? Sozusagen einen Sprung ins kalte Wasser? Das kann nämlich Spass machen! Und eine Erfahrung ist es allemal.
Mein neuster Sprung ins kalte Wasser begann letzten Herbst, als mir ein Flyer „zufiel“ – Sie wissen ja, ich glaube nicht an Zufälle –, auf dem die Theaterbühne Münchenstein neue Mitglieder suchte und ein „Casting“ veranstalte.
Sie suchten Menschen für auf der Bühne, hinter der Bühne für Kostüme etc., vor der Bühne als Beleuchter und Bühnenbauer und allenfalls für Musik und anderes mehr. Hörte sich gut an, fand ich, und ging ans Casting. Schon das eine Premiere!
Das an und für sich war schon ein fröhlicher Anlass mit ein paar Improvisationsübungen, die mir gut gefallen haben. Die Regisseurin war anwesend und hat mit aufmerksamem und auch kritischem Blick uns im Auge behalten. Ihre Art gefiel mir und das war eine Bedingung, damit ich mitmachen würde. So habe ich mich angemeldet mit dem Vorbehalt, dass ich im November weg sein würde und auch an ein paar anderen Proben nicht werde anwesend sein können wegen anderer Verpflichtungen, die schon bestanden. Da sind sie zum Glück sehr flexibel und realitätsnah, organisieren die Proben um die herum, die dann da sind. Jedenfalls zu Beginn, gegen Ende geht das natürlich nicht mehr.
Auch wenn ich mit jeder Aufgabe völlig zufrieden gewesen wäre, da es mir lediglich ums Mitmachen an diesem Projekt ging, wollte mich die Regisseurin auf der Bühne sehen. So fasste ich zwei kleine Rollen, wenig Text, ein bisschen mehr stummes Tun und ideal für eine Einsteigerin. Denn seit ich acht bin, habe ich nicht mehr geschauspielert, jedenfalls nicht in einem Theater.
Von den Mitgliedern der Truppe kannte ich niemanden und niemand kannte mich. Das mag ich, da kann ich mich „neu erfinden“. Von einigen weiss ich weiterhin nur ihre Namen und wir haben eine Telefonliste und E-Mails. Und das ist gut so.
Wir sind hier für ein Projekt, wer weiss, ob wir nachher noch mal eines zusammen machen, kann sein, aber im Moment geht es jetzt ausschliesslich um dieses eine Theaterstück.
Es ist so spannend zu sehen, wie aus einem trockenen Papierhaufen, auf dem das Stück geschrieben steht, mit der Zeit etwas Lebendiges wird. Nach und nach kamen die Requisiten zusammen, die Ideen für die Gestaltung des Bühnenbilds, Textänderungen und natürlich die Kostüme. Da ich gern nähe, habe ich es übernommen, Kostüme zu ändern, zu flicken, oder allenfalls neu zu machen. Wunderbar! Das ist kreativ.
Auch wenn ich nicht gerade kürzlich aus dem Ei geschlüpft bin, bin ich bei weitem nicht die Älteste. Ich finde es bemerkenswert, wie deutlich ältere Semester ihre langen und teilweise komplizierten Texte schnell lernen und dann diese Rollen mehr oder weniger schnell auch verkörpern. Denn darum geht es ja auch. Nicht nur den Text können und den herunterleiern, sondern sich in die Rolle einleben. Mein Eindruck der Regisseurin war richtig, sie macht das super. Sie weiss, was sie will, und sie kann es vormachen – und kann knallhart sein, wenn es ihr nicht passt. Wir sind keine Basisdemokratie, auch wenn alle mitsprechen dürfen und gehört werden, sie ist der Boss. Gut so, das macht es viel einfacher.
Ja, und nun ist es bald so weit, Mitte April geht es los. Wir spielen» Die Heirat» von Nicolas Gogol, das gerade in Zeiten von Tinder und Co. besonders amüsant ist, damals war Partnersuche ganz anders.
Falls Sie Zeit und Lust haben, einen vergnüglichen Abend in einem Laien-Theater zu verbringen, dann schauen Sie auf der Website nach, wann wir spielen und reservieren Sie sich Ihre Plätze. Mich würde es freuen!