Wer ist in Ihren Augen kreativ?
Bildende KünstlerInnen? MusikerInnen? ArchitektInnen? BäckerInnen? Lehrpersonen? Sie selbst?
Kreativität ist etwas, das zum Menschsein gehört. Geben Sie einem Kind, (das diesbezüglich noch keine schlechten Erfahrungen gemacht hat,) ein paar Holzklötze und es wird unweigerlich anfangen, damit zu bauen. D.h., es erschafft etwas, ist schöpferisch, ist kreativ. Das liegt in unseren Genen, so sind wir Menschen.
Leider machen viele von uns Erfahrungen, die uns glauben machen, dass wir nicht kreativ seien. Das können negative Kommentare sein, abwertende Blicke oder auch Desinteresse. Oft wird lediglich das Resultat bewertet, was ich sehr schade finde.
Denn für mich ist der Prozess viel wichtiger als das Resultat. Es wird immer jemand geben, der etwas besser, schöner, perfekter machen kann als ich. Wenn es darum ginge, bräuchte ich gar nichts tun.
Aber: im kreativen Tun mich dem Prozess hingeben, Neues ausprobieren, dabei unter Umständen alles um mich herum vergessen, das ist unbezahlbar.
Für mich ist es immer ein wunderbares Erlebnis, wenn jemand in meine Sprechstunde kommt und mich an seinem oder ihrem kreativen Prozess in irgendeiner Weise teilhaben lässt. Ich fühle mich dadurch geehrt, da ich weiss, dass man nicht jedem seine Werke zeigt, schon gar nicht die noch nicht vollendeten.
So hatte ich diese Woche das grosse Vergnügen, ein beeindruckendes kurzes Video anschauen zu dürfen, das eine Patientin aus mehreren ihrer detailreichen Zeichnungen und Collagen in einem App auf ihrem Handy zusammengestellt und mit Musik unterlegt hatte.
Die besagte Dame hat sich ihre bunte und lebendige Kreativität und ihre Neugier bis ins etwas höhere Alter (sie ist 70+) bewahrt und gepflegt, das ist eben nicht nur etwas für Kinder und junge Menschen!
Das Foto über diesem Blog ist aus zwei ihrer Bilder der letzten Kollektion zusammengestellt, sie hat sie mir freundlicherweise für diesen Blog zur Verfügung gestellt.
Auf meine Frage, ob sie denn nicht eine Anleitung machen könnte, wie man so etwas in dieser App (es heisst «Studio») macht, meinte sie, das sei selbst selbsterklärend. Soll noch jemand sagen, nur die Jungen seien technikaffin!
Mein Tipp an Sie: begeben Sie sich auf kreative Abenteuer, probieren Sie aus, geniessen Sie das Tun. Was – falls überhaupt etwas – dabei herauskommt, ist sekundär.
Das wichtige ist Ihre Freude.