Zusammenleben – eine Herausforderung?
In meinem Haushalt leben zurzeit ein kleiner Hund und mittlerweile – da Madame Miez geblieben ist – vier Katzen. Bei Menschen, die zum ersten Mal in mein Haus kommen, löst das oft das oft grosses Staunen aus. Geht denn das? Sind die friedlich miteinander? Da ich seit Jahrzehnten mit Vierbeinern aus verschiedenen Spezies zusammenlebe, ist es für mich eine Selbstverständlichkeit, dass das gut funktioniert. Die Katzen bestimmen, der Hund gehorcht. Das wäre vielleicht nicht mit jedem Hund so, aber bei meinen war das immer so.
Darüber, dass Menschen zusammenleben, wird oft wenig gestaunt oder sich gewundert, dass das geht. Dabei ist das für mich eines der grossen Geheimnisse des Lebens, dass das möglich ist!
Selbstverständlich weiss ich, dass wir soziale Wesen sind und eine Gemeinschaft brauchen, sowohl für unser körperliches wie für unser seelisches Wohl und Überleben. Gleichzeitig weiss ich auch, wie verschieden wir sind. Je älter wir werden, desto mehr Eigenheiten – die man durchaus auch als Macken bezeichnen könnte – haben wir, die Gefahr, etwas schrullig zu werden, wird immer grösser. Und so finde ich es immer wieder erstaunlich und hoch erfreulich, dass Menschen es schaffen, gut und harmonisch zusammen zu leben, teilweise über Jahrzehnte, ja, ein ganzes Leben lang.
Was braucht es denn dazu? Ich denke, in erster Linie braucht es das Wollen, den Willen, dass das Unterfangen gelingt. Wenn der da ist, können viele Verschiedenheiten überwunden und überbrückt werden. Gepaart mit diesem Willen, eine Gemeinschaft möglich zu machen, hilft eine wohlwollende Haltung den Mitbewohnern gegenüber mit, das Zusammenleben nicht nur machbar, sondern auch angenehm und harmonisch zu gestalten.
Weiter braucht es eine grosse Portion Toleranz. Die zu leben fällt den einen leichter und den anderen schwerer. Auch hier ist der Wille, sie zu lernen, massgeblich.
Zudem braucht es Diskussionsbereitschaft, denn es werden immer wieder Dinge ausgehandelt, verhandelt werden müssen.
Vertrauen darauf, dass jede und jeder ihr Bestes gibt, fliesst auch in die wohlwollende Haltung ein. Und wenn es sich um eine Liebesbeziehung handelt, ob nun zwischen Partnern oder über Generationen hinweg, dann kann die Liebe durch sehr viel hindurch tragen und Vieles ermöglichen.
Meine Tochter hat letzthin etwas sehr Weises gesagt (sie ist klug für ihr Alter!) nämlich, dass eine Beziehung Ähnlichkeiten mit einem Hobby hat: Um besser zu werden, muss man täglich üben. Und ich denke, das trifft für das Zusammenleben genauso zu. Das ist nicht etwas, das man einmal abmacht und dann funktioniert es.
Nein, es sind viele kleine Dinge, die den Alltag ausmachen, und die neu ausgehandelt werden müssen. Sowohl zwischen Menschen wie zwischen Menschen und ihren tierischen Mitbewohnern und auch zwischen den Tieren untereinander. Es ist ja nicht so, dass meine Katzen sich nicht zwischendurch anfauchen, das gehört zum Katzensein. Aber Schlägereien gibt es keine im Haus. Die liefern sie sich mit den Nachbarkatzen.
Vielleicht sind Sie ja jetzt motiviert, sich ein paar Gedanken über Ihr Zusammenleben, mit wem auch immer, zu machen. Und wer weiss, vielleicht entsteht daraus auch noch mehr Harmonie und Lebensfreude? Das wäre doch schön!