Gehören Sie auch zu denen, die viel Vorfreude verspüren? Sich Wochen, ja Monate lang auf etwas freuen können? Oder gehören Sie eher zu denen, die sich die Vorfreude untersagen, da das Ereignis ja vielleicht doch nicht eintreffen könnte?

Wie Sie sich wahrscheinlich vorstellen können, gehöre ich zur ersten Gruppe. Ich kann mich im Voraus sehr freuen. Zum Beispiel freue ich mich jetzt gerade seit einigen Wochen auf einen Comic-Zeichnen-Kurs, den ich in ein paar Tagen machen darf. Letztes Jahr bekam ich keinen Platz, dadurch die Freude noch viel grösser, dass es dieses Jahr klappt. Mein zeichnerisches Rüstzeug ist sehr mittelmässig, ich habe keinerlei formale Ausbildung in diese Richtung, zeichne aber gerne. Und jetzt mal von einem Profi zu lernen, wie frau etwas richtig macht, finde ich wunderbar. Das ist Zeit, die ich mir schenke. Im besten Fall ist das Resultat etwas, dass auch anderen Freude macht, nicht nur mir.

Ob ich schon als Kind so war, weiss ich nicht, aber sicher seitdem ich erwachsen bin. Und ja, natürlich sind dann viele Sachen nicht zustande gekommen, auf die ich mich gefreut hatte. Na und? Die Vorfreude kann mir ja niemand mehr nehmen! Diese Zeit der freudigen Erwartung war immer eine schöne Zeit.

Manchmal hat man Glück, und etwas ist nur aufgeschoben. So mussten wir ein Abendessen bei Freundinnen verschieben, weil ich zu erkältet war. Nur: es fällt nicht ins Wasser, sondern es wird verschoben. Somit kann ich mich zwei Wochen länger freuen. Wie schön ist denn das?

Ich kenne den Standpunkt: «Ich freue mich lieber nicht, dann bin ich nachher nicht enttäuscht, wenn es nicht klappt.» Oder, in meinen Augen noch trauriger: «ich gehe mal vom Schlimmsten aus, und sollte das nicht eintreffen, kann ich mich ja dann freuen, dass es gut gegangen ist.» Damit verbringt man seine Zeit mit unerfreulichen Gedanken. Ich nenne es Pessimismus, die betreffenden Menschen nennen es meist Realismus. Der Name spielt letztlich keine grosse Rolle, mir geht es ums Gefühl.

Erfreuliche Gedanken machen wohltuende Gefühle, sorgenvolle Gedanken ziehen einen herunter. In der Tat bewirken letztere auch Muskelverspannungen und -verkrampfungen, was zu Kopf-, Nacken- und Rückenschmerzen führen kann. Häufiger als Bandscheibenvorfälle!!

Selbstverständlich ist auch mir immer wieder mal passiert, dass ich mich «vergeblich» gefreut habe, da das Ereignis nicht eingetreten ist. Nun denn, dann ist es halt so. Das Leben lehrt einen, mit Enttäuschungen umzugehen. Und da ich die vergangenen Enttäuschungen überlebt habe, weiss ich, dass ich auch mit zukünftigen umgehen kann. Somit kann ich mich weiterhin ganz der Vorfreude hingeben in der Gewissheit, dass ich das gut überstehen werde, wenn mal etwas nicht zustande kommt.

Wie halten Sie es mit der Vorfreude? Worauf freuen Sie sich gerade jetzt im Voraus? Ich wünsche Ihnen, dass Ihnen jetzt ganz Vieles einfällt!