Vielfalt hilft gegen Spaltung.
Ja, ich hab’s getan! In diesem Jahr war ich am 1. August an der offiziellen Feier meiner Wohngemeinde. Ich wohne schon über 20 Jahre da, und darf Ihnen ohne schlechtes Gewissen gestehen, dass ich noch nie an solch einer Feier war. Aber dieses Jahr wollte ich hin, nicht zuletzt weil der Politiker, der reden sollte, einer von denen ist, denen ich gut zuhören kann.
Das Wetter hat mitgespielt und es kamen viele Menschen auf die Festwiese. Es gab Hüpfburgen für die Kinder, gratis Würste für alle und anderes mehr. Insbesondere hat eine Band gute Unterhaltungsmusik engagiert dargeboten. Auch ein Alphorn-Spieler im Sennechutteli spielte auf.
Was mich besonders freute, war die Vielfalt der Menschen. Jung und alt, gross und klein, dünn und dick, einige, die auf Rollstühle angewiesen waren, oder denen ihre geistige Beeinträchtigung anzusehen war. Und alle hatten Platz. Niemand hat blöd geguckt, niemand hat ausgegrenzt. Es gehörten alle dazu.
Ich hab mir dann kurz das Gegenteil vorgestellt zu dieser Vielfalt: es sehen alle sich zum Verwechseln ähnlich, haben die gleichen Kleider an (das nennt man ja bezeichneter Weise Uniformen, weil es alle gleich macht), und alle verhalten sich immer mehr oder weniger gleich.
Solche Szenarien sind in mehreren Science-Fiction-Büchern in verschiedenen Ausprägungen schon vor Jahrzehnten sehr eindrücklich dargestellt worden.
Wie langweilig, ja schrecklich wäre das! Und traurig dazu. Denn Vielfalt ist Reichtum. Es gibt nicht nur schwarz und weiss, es gibt ganz viele Farben. Es gibt auch nicht nur Weiblein und Männlein, es gibt auch Menschen, die sich anders fühlen oder dazwischen. Ich gehe davon aus, dass es die schon immer gegeben hat. Offenbar ist jetzt die Zeit, wo sie sichtbarer werden dürfen, ohne gleich dafür umgebracht zu werden.
Das finde ich wunderbar, denn es vergrössert die Vielfalt.
Ja, es mag eine Herausforderung sein für Menschen mit etwas simpleren Weltbilder. Und? Alles, was mich aus meiner Komfortzone holt, ist eine Chance zu wachsen, weiter zu werden, die Welt vielfältiger zu sehen, so zu sehen, wie sie ist. Denn in der Tat ist in der Natur die Vielfalt die Regel.
Spannend ist, dass, wenn ich viel wahrnehme und akzeptiere, (ich muss ja nicht immer mögen, was ich sehe), das Spalten dann viel schwieriger ist. Dann kann man nicht sagen: „das ist richtig“ und „das ist falsch“, weil es kein „richtig“ und kein „falsch“ gibt. Denn: ganz Vieles ist einfach. Ich muss es nicht werten, ja, ich habe gar kein Recht zu werten. Wer bin ich denn zu sagen, dass eine Lebensform besser ist als eine andere? Das kann ich höchstens für mein eigenes Leben entscheiden, aber sicher nicht für andere. Wer immer versucht zu spalten und zu trennen, Gruppen gegeneinander auszuspielen, tut der menschlichen Gemeinschaft keinen Dienst. Wir sind eine Menschheit!
Mich freut Vielfalt in vielen Lebensbereichen, natürlich bei den Menschen angefangen, aber auch im künstlerischen Ausdruck, was Menschen erfinden und sich ausdenken, die Vielfalt der Nahrungsmittel, die uns hier zur Verfügung stehen, und noch viel mehr. Und wenn ich merke, dass ich irgendwo mental anstosse und denke: „oh, das ist aber seltsam,“ dann gebe ich mir einen Ruck und versuche, aus der Sicht dieses anderen die Welt zu sehen und so meine Sichtweise zu erweitern.
Wo nehmen Sie Vielfalt wahr? Nehmen Sie sie wahr? Ich lade Sie ein, in den nächsten Tagen den Fokus ein bisschen mehr darauf zu legen, um zu schauen, was sich dann in Ihrer Welt verändert. Denn Sie wissen ja: das, was ich betrachte, verändert sich, indem ich es betrachte. Das ist die praktische, etwas banale Anwendung von einer Erkenntnis aus der Quantenphysik. Diese kann man auch viel schlauer und komplizierter ausdrücken, aber ich nicht, denn davon verstehe ich zu wenig.
Ich wünsche Ihnen eine vielfältige bunte Zeit!