Das ist doch ein guter Titel, finden Sie nicht? Hört sich schon fast weise und abgeklärt an. Und es wäre schön, wenn ich Ihnen jetzt im Brustton der Überzeugung sagen könnte, dass ich immer ganz entspannt mit Veränderungen umgehen kann. Nur… das wäre gelogen.
Das wurde vor 10 Tagen sehr offensichtlich.

Da habe ich nämlich in meiner Praxis umgestellt. Im Prinzip war es eine einfache Sache, die Sessel für die Gespräche verlegte ich ins kleine Zimmer und die Therapie auf der Liege ins grosse. Das Ganze dient dem Versuch herauszufinden, ob wir so schalltechnisch besser nebeneinander vorbeikommen, meine neue Praxispartnerin und ich.

Man könnte meinen, das sei nichts Grosses. Rein zeitlich hat der Umzug auch nicht lange gedauert, es waren keine 2 Stunden und dabei haben wir auch noch anderes erledigt. Gleichzeitig hat es sehr viel Gedanken– und Emotionsarbeit gekostet, mich umzustellen.

Natürlich arbeitete ich schon fast 18 Jahre lang im anderen Setting.
Im Nachhinein betrachtet, wahrscheinlich viel zu lange, wenn mich der interne Umzug derart tiefgreifend beschäftigte. Schon nur deswegen war die Umstellung gut. Sie forderte mein Gehirn ganz schön heraus. Ja, nicht nur das Gehirn, mein gesamtes Wesen musste sich neu orientieren, war irritiert und brauchte eine neue Kalibrierung. Ich gebe zu, das Ausmass hat mich doch erstaunt.

Erstaunlich auch, was die Grösse des Raums auf das Gefühl ausmacht. Obwohl rein metrisch gesehen meine Sessel genau gleich weit auseinander stehen wie bis anhin, entsteht im kleinen Raum das Gefühl, sie seien näher.

Einfach nur, weil die Wände näher sind. Dafür sah die Liege im grossen Raum erstmal etwas verloren aus.

Eine kluge Freundin hat mir ein schönes Bild geliefert: Wenn wir morgens zur Arbeit, bei mir eben in meine Praxis, kommen, dann ist das, wie wenn wir in einen perfekt passenden Handschuh schlüpfen. Das geht ohne jede Anstrengung, ohne zu überlegen, er sitzt sofort.

Nun habe ich mir mit der Zimmerrochade einen anderen Handschuh verschafft und der ist noch ungewohnt, das Leder etwas steif, er passt noch nicht genau auf meine Hand und das irritiert. Die Wege sind anders, somit auch die Gewohnheiten. Das ist ungewohnt und gleichzeitig ein wunderbares Training für meine geistige Flexibilität.

Mittlerweile habe ich eine ganze Woche im neuen Setting gearbeitet und mich schon gut eingelebt, der Handschuh passt schon viel besser als zu Beginn.

Das Feedback der PatientInnen war durchwegs zumindest neutral, meist sogar positiv. Das war beruhigend, denn für sie muss es ja auch stimmen. Und zudem war der Zimmerwechsel, was das Schallübertragungsthema angeht, ein voller Erfolg, was uns sehr freut.

Wann haben Sie kürzlich etwas verändert, das Sie aus der gewohnten Routine geraten liess? Wie sind Sie damit umgegangen? Oder sind Sie vielleicht der Veränderung ausgewichen, um sich nicht umstellen zu müssen?

Ich kann Ihnen nur empfehlen, öfter etwas zu verändern, denn dann erleben Sie sich vielleicht neu und anders und das kann spannend sein!