Heute vor 3 Jahren starb mein Labrador Takoda mit 14 Jahren und 4 Monaten.
Er war schon länger krank und die letzten 2 Monate konnte ich ihn auch nicht mehr in die Praxis mitnehmen, das war für ihn zu anstrengend. Er starb zu Hause, schnell, ja plötzlich, und friedlich. Ein Atemzug und dann war er tot.
Ich war gerade draussen und meine Tochter woanders im Haus. Sie holte mich dann, gerade bevor ich wegfahren wollte, mit dem Satz: «Ich glaube Takoda ist gestorben.»
War das schlimm für mich?
Nein, ich hatte es ja seit einigen Monaten erwartet. War ich traurig? Ja, klar, er war mein Begleiter seit er 9 Wochen alt war. War ich erleichtert? Ja, denn ich musste ihn nicht einschläfern lassen, er starb dann, als es für ihn stimmte. Habe ich ihn vermisst? Selbstverständlich. Hat es insgesamt für mich gestimmt? Ja, es war in Ordnung und hatte seine Ordnung. Hätte ich lieber auf die schönen Stunden mit ihm verzichtet, statt den Schmerz und die Trauer zu spüren? Auf keinen Fall!
Wie so oft im Leben, hatte ich viele Gefühle gleichzeitig. Das ist normal, denn (fast) jedes Ereignis hat mehrere Seiten, viele Facetten, die unterschiedliche Gefühle hervorrufen können. So ging das eine lange Zeit ohne dass ich das je schlimm oder schwierig fand. Dankbarkeit für die gemeinsame Zeit, Vermissen seiner Präsenz, Erleichterung, dass er nicht leiden musste, Trauer um einen Hundevertrauten, meinen Seelenhund, und immer wieder auch Freude, wenn ich an lustige Begebenheiten mich ihm dachte oder mich jemand an etwas erinnerte, was mit ihm zu tun hatte.
Wenn Sie jetzt finden, das sei nun doch ziemlich übertrieben, er war ja «nur ein Hund», dann sagt mir das allenfalls, dass Sie noch nie eine tiefe Beziehung zu einem Tier hatten, und das somit nicht nachvollziehen können. Meine Beziehung zu Takoda (und zu meinen anderen Tieren) hat nichts mit Vermenschlichung von Tieren zu tun, davon halte ich nichts, denn damit wird man dem Tier in seiner Natur nicht gerecht. Eine tiefe Verbindung zu einem Tier kann man aber sehr wohl haben, ob nun zu Hund, Katze, Pferd, Kaninchen, Wellensittich, Schildkröte oder was immer. Und da ist es nur natürlich, dass man trauert, wenn dieses Lebewesen stirbt oder anderswie aus dem Leben verschwindet.
Wem ich ab und an begegnet bin, sind Menschen, die entweder ein Tier schon verloren haben, oder aber so Angst vor dem Schmerz durch Verlust des liebgewonnenen Tieres haben, dass sie gar keinen tierischen Begleiter in ihr Leben lassen. Sie verzichten also auf die vielen schönen Momente, um dem Schmerz und der Trauer aus dem Weg zu gehen. In meinen Augen verpassen sie ganz viel, und das ist ihre Wahl. Es ist nicht an mir, die Wahl von anderen zu beurteilen. Jeder Mensch darf die Beziehungen wählen, die er will und auf die verzichten, die er nicht will. Beides hat seinen Preis.
Ich wähle Beziehungen einzugehen und zu riskieren, dass ich irgendwann mal traurig sein werde, weil diese, jedenfalls in der bisherigen Form, beendet sein werden. Für mich heisst leben lieben.
Wie halten Sie es mit Beziehungen? Lassen Sie sich auf Beziehungen zu Menschen und Tieren ein? Oder halten Sie alles und alles etwas auf Distanz? Es lohnt sich darüber nachzudenken!