Wann haben Sie das letzte Mal richtig gestaunt? Sich gewundert und vielleicht auch gefreut?
Staunen tun wir über Dinge, die unerwartet sind und von denen wir vielleicht auch gedacht haben, dass es sie eigentlich gar nicht gibt oder geben kann. Kinder staunen ganz oft. Wir Erwachsenen leider weniger. Ok, für Kinder ist ja ganz Vieles neu, sie erleben es zum ersten Mal. Und wir haben halt schon viel gesehen und erlebt. Aber es gibt immer noch so Vieles zum darüber staunen!
Die Geranienblüte, die Sie auf dem Foto sehen, hat mich zum Staunen gebracht. Geschenkt hat sie mir eine Patientin. Und das Erstaunliche daran ist, dass dieser Geranienstock 79 (!) Jahre alt ist, so alt wie die Patientin selbst. Ihre Mutter hatte sie zu ihrer Geburt gepflanzt. Zudem wurde sie vor vielen Jahren aus Skandinavien in die Schweiz „importiert.“ Ich wusste nicht, dass Geranien so alt werden können!
Während ich dies schreibe, bin ich zu Hause mit einem Infekt, wahrscheinlich wieder Corona, denn: mein Geruchssinn verabschiedete sich vor ca. 3 Tagen, und das habe ich noch nie bei einer «gewöhnlichen» Erkältung erlebt, aber schon mal bei Corona.
Gestern früh nun konnte ich wieder ein klein wenig Lavendel an einem Strauch riechen und etwas Rosenduft wahrnehmen, alles andere war noch weg. Und heute Mittag ist innerhalb von wenigen Stunden (am Morgen war es noch wie gestern) der Geruchssinn wieder da.
Für mich ein Grund zum Staunen über die Heilungskräfte des Körpers, und selbstverständlich auch ein Grund zur Freude, denn Gerüche machen einen grossen Teil meiner Lebensqualität aus. So schön, dass sie wieder da sind!
Als selbständig Erwerbende krank zu werden ist ein wenig anders, als wenn man angestellt ist. Denn ich riskiere, meine Patientinnen und Patienten zu verärgern, wenn ich ihre Termine absagen muss, es springt ja keine oder keiner für mich ein wie in einem Team.
Oft kann ich auch keinen Ersatz anbieten, da meine Agenda auf mehrere Wochen hinaus voll ist.
Das kann je nach Situation für jemanden schwierig sein, die dringende Probleme mit mir besprechen wollte. Für einige Menschen bin ich der einzige Mensch, mit dem sie über ihre Nöte reden. Da staune ich erst recht, wie verständnisvoll meine Absage aufgenommen wird, meist mit lieben Genesungswünschen versehen. So schön!
Letzthin habe ich, leider weiss ich beim besten Willen den Zusammenhang nicht mehr, ein Foto von unserer Milchstrasse gesehen, im Vordergrund im Schatten ein alter, verwitterter Baumstamm. Angesichts dieser «unendlichen» Weite kann ich nur über die Schönheit des Sternenhimmels staunen und über das Leben. Dass wir hier auf der Erde leben, lachen, lieben können, ist doch ein Wunder! Auf den allermeisten Planeten wäre das nicht möglich (sagen die Fachleute, was weiss ich schon?).
Solche kurzen Momente erinnern mich immer wieder daran, die Wunder zu wahrzunehmen, zu staunen und mich daran zu erfreuen.
Hier habe ich eine kleine Übung für Sie: überlegen Sie sich während einer Woche jeden Abend, worüber Sie heute gestaunt haben, und schreiben Sie es auf für später. Denn es kann immer ein Moment eintreten, wo wir froh sind um die Erinnerung, was uns mal zum Staunen gebracht hat. Sie werden erstaunt sein!