Haben Sie das auch schon gehört? „Dieser Arzt, der macht immer viel zu viele Untersuchungen, nur damit er viel verdient!“ Oder: „Das ist ein ganz unfähiger Therapeut, der kann gar nichts. Dass so jemand zugelassen ist!“ Oder: „Unglaublich, da schimpft sich eine Psychotherapeutin und nimmt dafür noch Geld dafür, dass sie den ganzen Tag Problemchen anhört! Die sollte mal richtig arbeiten.“
Das ist Ärzte- und Therapeuten- Basching, d.h., schimpfen über Leute aus bestimmten Berufsgruppen, die man vielleicht nicht mal selbst kennt. Natürlich gibt es die so genannten „schwarzen Schafe“, die sich unrechtmässig bereichern oder unnötige Behandlungen empfehlen oder gar durchführen. (Wobei ich das eine Verunglimpfung der schwarzen Schafe finde, die in Wirklichkeit ausgesprochen süsse Tiere sind und gar nichts dafür können, dass ein paar wenige Menschen unehrenhaft handeln.)
Trotzdem bin ich der festen Überzeugung, dass die meisten Ärzte und Ärztinnen, Therapeutinnen und Therapeuten ihre Arbeit gut machen und mit der Absicht, den hilfesuchenden Menschen Linderung zu verschaffen. In all den Jahren, in denen ich berufstätig bin, ist mir noch nie ein Scharlatan begegnet, also jemand, der im vollen Bewusstsein zu betrügen, Menschen behandelte. Es gibt sie, ich weiss, aber ich habe noch keinen getroffen. Und ich habe viele Menschen getroffen!
Ich frage mich nur, was soll das Lamentieren? Selbstverständlich soll man sich wehren, wenn man eine überhöhte und ungerechtfertigte Rechnung bekommt, oder wenn gar ein Übergriff stattgefunden hat, keine Frage. Dafür gibt es ja auch Ombudsstellen, Rechtsschutzversicherungen und anderes mehr.
Aber diese generelle Empörung über Verfehlungen von Unbekannten, damit kann ich nichts anfangen. Wem bringt denn das etwas? Vielleicht den Lamentierern selbst, die sich damit wichtig machen können und Aufmerksamkeit bekommen? Endlich haben sie etwas zu erzählen. Aber das kann es ja nicht sein, oder? Ich verstehe es tatsächlich nicht.
Zur Klarstellung: auch ich halte nichts von Scharlatanen und Betrügern, egal in welchem Bereich. Besonders verwerflich, ja geradezu gemein finde ich es, wenn Krankheit, Schwäche und Gutgläubigkeit ausgenutzt werden. Deswegen gibt es den Aufdeckungs-Journalismus, was ich gut und wichtig finde
Für mich persönlich ist das Bashing oft ein Grund, dass ich in einer neuen Runde von Menschen meinen Beruf nicht nenne, wenn ich es umgehen kann. Denn nur zu oft gehen die Tiraden dann los. Für mich ist das nur bemühend und ermüdend, es ist Verlust von kostbarer Lebenszeit.
Es ist eine Tatsache, dass ich nichts an den Taten (oder Untaten) von anderen Menschen ändern kann. Ich kann nur in meinem, kleinen Leben schauen, dass ich alles, beruflich und privat, so gut wie möglich mache. Und das mache ich deutlich besser, wenn ich nicht mit negativen (Pseudo)Nachrichten und boshaften Rundumschlägen zugetextet werde!
Wenn die Empörungsenergie, die da verwendet, ja, in meinen Augen verschwendet wird, für Schönes und Erbauliches eingesetzt würde, dann hätten wir wahrlich mehr Erfreuliches in der Welt! Und es gibt ja so viel Gutes, worüber man auch reden könnte! Machen Sie in Ihrem Umfeld den Anfang?