Geht bei Ihnen alles nach Plan?

Ich meine: wirklich alles? Dann sind Sie, glaube ich, eine grosse Ausnahme!

Es gibt eine angeblich jüdische Redensart, die ich liebe: wenn du Gott zum Lachen bringen willst, erzähle ihm von deinen Plänen.

Für mich heisst das: ich kann lange Pläne machen, was wirklich angesagt ist, wird sich dann zeigen.

Möchten Sie Beispiele aus meinem Alltag? Gerne.

Ich komme nach einem Arbeitstag in der Praxis nach Hause und habe mir vorgenommen dieses oder jenes noch zu machen. Das kann etwas Kreatives sein, das kann etwas weniger Kreatives sein wie Einzahlungen machen oder aufräumen und putzen. Und dann, ja und dann kommt etwas dazwischen. Vielleicht ruft eine Freundin an und wir verbringen eine vergnügte Stunde am Telefon. Oder ich bleibe an einem Artikel hängen und lese und vergesse die Zeit.

Anderes Beispiel: ich fahre in die Stadt, will nur zwei, drei Dinge besorgen. Dann ist es aber gerade so schön, ich gehe noch ein bisschen herum und gucke, trinke vielleicht einen Kaffee, vielleicht gibt es einen Schwatz mit jemandem und Schwups sind wieder ein paar Stunden um, in denen ich ursprünglich etwas anderes hatte machen wollen.

Wie ich damit umgehe? Ganz ehrlich: ich gehe locker damit um. Es ist dann halt so, das andere war aus irgendeinem Grund gerade wichtiger. Und was ich ursprünglich machen wollte, läuft im Allgemeinen nicht weg.

Zwar mache ich gerne Pläne im Sinne von mir etwas vornehmen, aber ganz selten sind die so starr, dass etwas auf jeden Fall zu dem Zeitpunkt gemacht werden muss.

Das ist der angenehme Gegensatz zu meinem Praxisalltag. Der ist zwangsläufig streng getaktet, da ich es ausgesprochen unhöflich finde, meine Patientinnen und Patienten warten zu lassen. Aber in meiner Freizeit habe ich gerne ein bisschen Spielraum, um manchmal auch spielerisch zu sein. Dieser Gegensatz von verplant und nicht verplant ist für mich ein angenehmer Wechsel und hilft, geistig beweglich zu bleiben.

Selbstverständlich müssen gewisse Dinge auch irgendwann mal stattfinden oder erledigt werden, ich meine mit Flexibilität nicht «Aufschieberitis». Für mich gibt es ein paar harte Entscheidungskriterien: Passiert etwas Schlimmes, stirbt gerade jemand oder hat es schlimme Folgen, wenn ich das nicht mache? Leidet jemand oder etwas, falls ich das nicht jetzt tue? Falls nein, dann muss es nicht zwingend heute gemacht werden.

Wie haben Sie es? Sind Sie streng mit sich, wenn Sie etwas nicht zu dem Zeitpunkt erledigt kriegen, so wie Sie es sich vorgestellt oder vorgenommen hatten? Oder können Sie es locker nehmen und sagen: „Gut, dann mache ich es stattdessen morgen Nachmittag.“ Falls Sie eher zur ersten Gruppe gehören, dann schlage ich Ihnen vor, das nächste Mal, wenn etwas Ihre Pläne durchkreuzt, innezuhalten und zu überlegen, ob es unbedingt nach Ihrem Plan gehen muss, oder ob es auch anders sein darf. Vielleicht erleben Sie so etwas Unerwartetes und besonders Schönes!