Woran denken Sie, wenn Sie das Wort Grosszügigkeit hören? An Geld, Zeit, Zuwendung, Aufmerksamkeit? Oder etwas anderes?
Und: sind Sie grosszügig?
Das Wort «Grosszügigkeit» ist für mich, wie wahrscheinlich für viele andere auch, auf den ersten Anhieb an Geld gekoppelt. Deswegen ziehe ich im Allgemeinen das Wort «Grossherzigkeit» vor, benutze aber absichtlich in diesem Blog «Grosszügigkeit». Denn: es ist so viel mehr als Geld verschenken oder verleihen. Wenn jemand Ihnen nach einem langen Arbeitstag 1 Stunde Zeit schenkt, damit Sie erzählen können, was Sie gerade beschäftigt, dann ist diese Person grosszügig mit ihrer Zeit und ihrer Aufmerksamkeit. Und wir wissen ja: Zeit ist kostbar.
Auch mit Umarmungen und Zärtlichkeiten, liebevollen Blicken und anderen Zuneigungsbezeugungen kann man grosszügig sein. Und wenn das jemand ist, ist das wunderbar. Selbstverständlich gilt das nur, wenn diese Freigiebigkeit ohne Hintergedanken, ohne Berechnung und Manipulation stattfindet. Schenken um des Schenkens Willen.
Es gibt auch Menschen, die sehr grosszügig ihre Hilfe anbieten, was ja Zeit plus im weitesten Sinne Arbeit bedeutet. So kenne ich eine Frau, die oft anbietet, beim Putzen oder Aufräumen zu helfen, wenn sie sieht, dass jemand damit überfordert ist. Dabei ist das nicht mal eine ihrer liebsten Beschäftigungen! Sie freut sich einfach, wenn sie jemandem helfen kann. Eine andere verschenkt gerne etwas von ihren schönen Sachen, wenn sie weiss, dass es jemandem Freude macht.
Dabei erwartet sie nie ein «Gegengeschenk», sondern freut sich, dass etwas, das sie nicht benötigt und benutzt, einem anderen Menschen das Leben verschönert.
Selbstverständlich kann man auch mit Geld grosszügig umgehen, indem man es verschenkt, verleiht, jemanden einlädt oder Überraschungen ermöglicht. Was ist immer zu bedenken gilt: wie ist es für die Empfängerin, den Empfänger? Denn nur auf der empfangenden Seite zu sein ist vielleicht bequem, aber doch auch recht unangenehm, es ergibt sich ein Ungleichgewicht oder gar eine Abhängigkeit. So ist es wichtig abzutasten oder zu erfragen, ob das, was ich geben möchte, in dieser Form auch erwünscht ist. Schenken sollte immer auf Augenhöhe geschehen.
Und dann gibt es natürlich auch die grosszügige Seite gegenüber sich selbst. Gönne ich mir etwas? Gestehe ich mir zu, dass ich auch etwas haben darf, machen darf, mir Gutes tun darf? Das fällt vielen Menschen schwerer als mit anderen grosszügig zu sein und das ist schade. Denn das sagt ja im weitesten Sinne aus, dass ich weniger wert bin als meine Mitmenschen. Damit hätten wir wieder ein Ungleichgewicht.
Nun, wie haben Sie es mit der Grosszügigkeit? Womit sind Sie grosszügig? Und womit vielleicht nicht oder noch nicht? Ich lade Sie ein, Ihr Herz zu öffnen, sowohl gegenüber sich selbst als auch gegenüber anderen. Sie werden schöne Überraschungen erleben.