Gibt es in Ihrem Leben Menschen, die Sie als Freunde, Freundinnen bezeichnen? Hatten Sie einmal eine beste Freundin, einen besten Freund? Und wie war das, diese Freundschaft?

Es gibt viele gute und wahre Sprüche zum Thema Freundschaft respektive FreundInnen. So zum Beispiel, dass „Partner kommen und gehen, Kinder erwachsen werden und das Haus verlassen, aber Freundschaften bestehen bleiben.“ Mag etwas idealisierend sein, hat aber einen Kern Wahrheit.

Was macht denn eine gute Freundschaft aus? Sicher, ein Stück weit ist es individuell. Und doch gibt es wahrscheinlich ein paar Konstanten. Für mich gehört zu einer Freundschaft, dass ich dem Menschen vertrauen und mich darauf verlassen kann, dass das, was ich von mir und meinem Leben erzähle, dort gut aufgehoben ist und nicht gegen mich verwendet wird. Zudem gehört echtes Interesse an der Person dazu, nicht nur ein utilitaristisches: „die hat oder kann das, da kann ich profitieren.“ Das heisst natürlich nicht, dass ich mit dem, was ich habe und kann, meinen Freundinnen und Freunden nicht zur Verfügung stehe im Rahmen meiner Möglichkeiten, das ist selbstverständlich.

Weiter gehört für mich Beständigkeit dazu. Ich will und muss mich darauf verlassen können, dass diese Person in meinem Leben ist. D.h. nicht, dass man sich oft sehen oder sprechen muss. Manchmal können Monate oder sogar Jahre zwischen den Kontakten liegen, und trotzdem ist das Freundschaftsband vorhanden. Das mag für Sie ganz anders sein, vielleicht müssen Sie mindestens alle paar Wochen direkten Kontakt zu Ihrer Freundin, Ihrem Freund haben, für mich geht es auch in deutlich längeren Abständen.

Etwas Verbindendes in einer Freundschaft ist das Vorhandensein von gemeinsamen Interessen. Das können ganz unterschiedliche Sachen sein, beispielsweise Musik machen, Gespräche führen, sich über Literatur austauschen, gemeinsam tanzen, zusammen spazieren gehen, und noch vieles mehr, die Möglichkeiten sind unbeschränkt.

Alte Freundschaften, also zwischen Menschen, die sich schon lange, vielleicht Jahrzehnte kennen, haben den besonderen Reiz, dass man einen längeren Teil des Lebensweges gemeinsam gegangen ist und so Zeuge/ Zeugin wurde von dem, was im Leben des anderen Menschen passiert ist.

Es kann sehr wohltuend sein jemanden zu haben, die/der weiss, wie es mir ergangen ist und so ein anderes Verständnis für meine Situation hat. Und sich noch mit Lächeln erinnern kann, wie ich war, als ich jung war.

Neue Freundschaften sind spannend, denn man lernt neue Menschen kennen, neue Ansichten und neue Lebensformen. Je älter wir werden, desto wichtiger finde ich es, dass wir auch Freundschaft mit jüngeren Menschen pflegen und uns nicht nur in unserer «Alters–Bubble» bewegen. Denn sowohl die Jüngeren wie die Älteren profitieren von einer Altersgruppen – übergreifenden Freundschaft.

Tja, und wie macht man das nun, dass Freundschaften halten? Da braucht es ein paar Dinge dazu: So müssen beide Seiten an der Freundschaft interessiert sein und bereit sein, auch Zeit darin zu investieren, sei das für Briefe, Telefonate, gemeinsame Unternehmungen oder sonst etwas. Weiter braucht es Toleranz, wir können uns unsere Freundinnen und Freunde nicht formen wie ein Stück Hefeteig, sie sind wie sie sind. Gleichzeitig gehört es für mich zu den zentralen Freundschaftsdiensten, manchmal ganz unbequem ehrlich zu sein, wenn etwas aus dem Ruder zu laufen scheint oder ein Verhalten nicht tolerabel ist. Denn es braucht Mut, fundierte Kritik anzubringen. Und es braucht ebenso Mut, sich diese Kritik anzuhören im Wissen, dass die Freundin oder der Freund es wirklich gut mit mir meint und mich nicht einfach fertig machen will.

Und ja, natürlich gibt es Freundschaften, die zerbrechen oder im Sand verlaufen. Das gehört auch zum Leben und macht Platz für Neue. Ich nenne das“ die Beziehung hat sich erfüllt“. Das ist weder gut noch schlecht, es findet einfach statt. Selbstverständlich ist das manchmal bedauerlich, manchmal wohl nicht so sehr.

Wann haben Sie zuletzt bewusst eine Ihrer Freundschaften gepflegt? Ist es vielleicht an der Zeit, wieder mal den ersten Schritt zu tun, vielleicht sogar im Wissen, dass es der anderen Person viel schwerer fällt als Ihnen? Denn schliesslich sind Freundschaften kein Handel im Sinne von „wenn ich einmal angerufen habe musst du einmal anrufen.“

Ich lade sie ein, den „Wonnemonat“ Mai zu Ihrem Freundschaftsmonat zu erklären und sich aktiv um Ihre freundschaftlichen Beziehungen zu kümmern. Bereicherung ist garantiert, hoffentlich auch viel Gelächter!