Ein „Nein“ kann auch ein „Ja“ sein.
„Hallo! Du, ich habe zwei Tickets fürs Konzert morgen Abend im Casino. Hast Du Lust mitzukommen? Bitte melde Dich bald, damit ich weiss, ob Du kommst oder ich weiter suchen muss. Grüessli.“
Eine Textnachricht einer guten Bekannten taucht auf meinem Smartphone auf. Und in meinem Kopf geht es los: Schön, dass sie an mich denkt. Im Konzert war ich schon eine Weile nicht mehr. Das Programm interessiert mich mässig. Ok, ich könnte ja meinen Horizont erweitern. Morgen ist aber mein einziger ganz freier Abend diese Woche und den wollte ich zu Hause verbringen. Und ich brauche diese Zeit für mich. Das gehört zu den Dingen, die ich brauche um gut für mich zu sorgen.
Ist sie wohl beleidigt, wenn ich ablehne? Fragt sie dann nie mehr an? Und wessen Problem ist das denn? Wäre es schlimm, wenn sie mich nicht mehr fragt? Und so weiter….
Kennen Sie das? Sie werden angefragt irgendwohin mitzukommen oder jemand bitte Sie um einen Gefallen, vielleicht ist es auch eine Einladung zu einem Abendessen oder einem Fest. Und Sie hatten diese Zeit für sich reserviert, wollten vielleicht einfach nur auf dem Sofa liegen und nichts tun, entspannen, sich erholen. Oder Sie wollten endlich an Ihrem Näh-oder Malprojekt weiterarbeiten, für das Sie gerne ein paar Stunden am Stück investieren.
Was tun?
Wenn ich „ja“ sage zum Vorschlag, dann freut sich die Person (hoffentlich) und ich erlebe (hoffentlich) etwas Schönes. Was mir fehlt, ist die Erholungszeit oder die Zeit für meine persönlichen Projekte. Ich sage „nein“ zu mir, zu den Dingen, die mir wichtig sind, die ich brauche.
Wenn ich „nein“ sage zum Vorschlag meiner Bekannten, ist sie vielleicht enttäuscht oder gar beleidigt, wird vielleicht versuchen mich zu überzeugen, und es könnte ein unangenehmes Gespräch werden. Aber: ich sage gleichzeitig „ja“ zu mir und meinen Bedürfnissen, ich schaue gut zu mir.
Was ist nun wichtiger? Das gilt es abzuwägen. Und die Antwort fällt wahrscheinlich nicht immer gleich aus. Was ja völlig ok ist. So lange es mir gut geht dabei.
Was ich selbst tue? Ich versuche mir selber treu zu sein und nur „ja“ zu sagen, wenn ich auch „ja“ meine. Manchmal ist eben ein „Nein“ zu etwas ein „Ja“ zu mir selber. Und so rede ich unter Umständen Klartext: „Mein „nein“ ist kein „nein“ zu dir. Es ist ein „ja“ zu mir.“ Wenn jemand damit ein Problem hat, dann mache ich das nicht zu meinem.
Ich wünsche mir auch, dass meine Familie und meine Freund:innen das so handhaben, wenn ich sie um etwas bitte oder sie anfrage. Mein Wunsch ist, dass sie nur zusagen, wenn sie es wirklich möchten und es für sie passt. Und, ehrlich gesagt, bin ich froh, wenn sie mal „nein“ sagen, weil ich dann sicher sein kann, dass sie sich getrauen, mir gegenüber ehrlich zu sein und nicht „mir zuliebe“ zu etwas zustimmen.
Wie halten Sie es mit Anfragen und Einladungen, auf die Sie gerade keine Lust haben oder die Ihre Pläne über den Haufen werfen würden?