Älter werden? Alt sein?
Wie alt sind Sie? Und wie alt fühlen Sie sich? Das muss ja überhaupt nicht übereinstimmen!
Ich habe letzthin Geburtstag gefeiert und mir bei der Gelegenheit ein paar Gedanken zum Thema älter werden gemacht. Selbstverständlich kenne ich meinen Jahrgang und weiss, wie alt ich an Jahren bin. Aber ich fühle mich nicht so alt. In der Tat kann ich mich nicht erinnern, wann ich mich überhaupt so alt gefühlt habe, wie es mein Alter angibt. Woran ich mich gut erinnern kann ist, dass ich mich auch mit 40 nicht wie 40 fühlte.
Aber was heisst das, ich fühle mich nicht so alt? Das würde ja bedeuten, dass ich weiss, wie alt man sich mit 30 oder 50 oder 70 fühlt. Nur gibt es keine allgemein gültige Art, wie man sich in einem bestimmten Alter fühlt. Vielmehr hat das damit zu tun, wie ich mir vorstelle, dass ich mich fühlen sollte oder allenfalls könnte.
In meiner Kindheit waren Menschen, die so alt sind wie ich jetzt bin, in meinen Augen alt. Nicht steinalt, aber alt. Wenn ich mich jetzt in meinem Freundes- und Bekanntenkreis umschaue, ist kaum jemand in meinem Alter «alt.» Es mögen sich ein paar etwas ältlich kleiden, aber im Kopf ist keine und keiner alt.
Was ich mit «alt» meine? Eine traurige oder säuerliche Resignation oder ein stures Verhalten, an alten Verhaltensweisen und Ansichten festzuhalten, und ein Unwille, vielleicht auch Unvermögen, sich auf Neues einzulassen, eine Art Starrheit oder Unbeweglichkeit, sowohl mental wie körperlich.
Muss jede und jeder denn alt werden im obigen Sinne? Ich bin sicher, dass das nicht sein muss. Es gibt ja wunderbare Gegenbeispiele.
So habe ich eine über 90-jährige Freundin, die das Alter am Körper schon mal mehr, mal weniger spürt.
Sie hat eine gewisse weise Abgeklärtheit entwickelt, ist und bleibt aber aktiv am Leben, an Neuem, an ihren Mitmenschen rege interessiert und hat einen wunderbaren Humor. So möchte ich auch alt werden! (Danke Leni für Dein Vorbild!)
Tja, da stellt sich nur die Frage: wie macht man das? Wie mache ich das? Für mich ist das Wichtigste neugierig zu bleiben, mich für Neues zu interessieren. Damit eng verbunden ist lernen, mir Neues aneignen. Ob das ein neues Instrument ist, eine neue Sprache, tanzen oder Holzschnitzen ist egal, Hauptsache ich lerne, denn das erhält jung. Ein wichtiger Punkt ist auch sich zu freuen. Griesgram macht alt – und unattraktiv. Ich kann mich über den Duft einer Rose, eine noch unbekannte Katze, die mir auf dem Spaziergang begegnet, einen feinen Kaffee und noch vieles mehr freuen. Mit Menschen Kontakt haben, gerne auch mit solchen, die jünger sind als ich, gibt mir neue Impulse und Ideen. Mich körperlich beweglich halten ist ein weiterer Punkt, da habe ich sicherlich noch Luft nach oben. Was gut ist, denn dann kann ich auch da auch etwas Neues dazulernen! Vielleicht probiere ich doch auch mal Ballett aus…
Sie sehen, es sind keine Wunderheilmittel, die jung erhalten, aber die oben genannten Dinge wirken Wunder, wenn es darum geht, jung zu bleiben.
Wie alt fühlen Sie sich? Oder vielleicht: wie jung? Und noch viel wichtiger: wie möchten Sie älter werden? Ich lade Sie ein, sich darüber ein paar Gedanken zu machen, es lohnt sich!