Mögen Sie Abschiede? Oder hassen Sie sie??

Die meisten Menschen würden wohl sich in die eine oder andere Gruppe einteilen. Den wenigsten sind Abschiede egal im Sinn von gleichgültig.

Mein Jahr hat mit zwei sehr unterschiedlichen Abschieden angefangen.

Der eine fand in einer grossen, vollen Kirche in Basel statt. Mein geschätzter Kollege und Supervisor war viel zu früh, da sind sich alle einig, mit 73 Jahren verstorben. Er fehlt mir, sowie wahrscheinlich allen Leuten, die bei der Abdankung anwesend waren.
Klar, seiner Familie fehlt er noch viel mehr als uns anderen, aber uns fehlt er auch.

Seine Ideen, sein Lachen, seine frechen Sprüche, sein alles in Frage stellen, das haben wir sehr geschätzt, es hat uns zum Nach- und Weiterdenken angeregt.

Und doch war diese Abdankung für mich nicht einfach nur traurig. Denn in irgendeiner Form ging es immer um Liebe. Als ich über die viele Köpfe hinweg schaute (ich sitze fast immer weit hinten), kam mir der Gedanke, dass all das, was er uns gegeben und vorgelebt hat, jetzt in uns in irgendeiner Form weiterlebt, seine Liebe wird durch uns weiter in die Welt getragen. Das fand ich überaus schön und tröstlich.

Von daher war das für mich zwar ein ernsthafter, aber kein tieftrauriger Anlass. Er hat so viele Samen gesät in unseren Herzen und Köpfen, die leben weiter.

Der zweite Abschied war drei Tage später.

Meine 12jährige Katze Princess atmete schon seit ein paar Tagen nicht gut und es wurde schlechter. Obwohl ich die Vorahnung hatte, dass das keine gute Sache ist, habe ich natürlich trotzdem gehofft, dass es etwas Behebbares ist. So habe ich meine erste Arbeitswoche damit begonnen, Princess vor meiner eigenen Sprechstunde zum Tierarzt zu bringen und ihnen freie Hand zu lassen bei den Untersuchungen. Gegen Mittag war dann klar, was der Grund ihrer erschwerten Atmung war: ein grosser Tumor, der die eine Lunge ausfüllte und die andere bedrängte. Da kann man gar nichts machen. Ersticken ist kein schöner Tod.

Als Mensch und designiertes Katzenpersonal lag es in meiner Verantwortung, sie davor zu bewahren. Deshalb wurde Princess am selben Nachmittag eingeschläfert.

Obwohl ich mein Leben lang Tiere hatte und habe, war ich noch nie dabei, wenn eines eingeschläfert wurde, und zwar weil die meisten nicht eingeschläfert werden mussten, sondern entweder zu Hause starben oder draussen. So war es für mich eine Premiere.

In Gedanken hatte ich mich schon vorgängig mit Princess darüber unterhalten und für mich war klar, dass sie wusste, dass sie stirbt, früher oder später. Tiere wissen so etwas. Und gemessen an den wenigen Sekunden, die es dauerte, bis ihr Herz nicht mehr schlug, war es wirklich eine ersehnte Erlösung.

Natürlich fehlt sie mir, sie war eine besondere Katze und wir hatten eine besondere Beziehung. Aber, nun ja, eigentlich ist ja jede Katze eine besondere Katze.

Ein hellsichtiger Mann, den ich sehr schätze, sagt, dass gewisse Tiere zu einem zurückkommen, einfach in einem anderen Katzenkörper. Mal schauen, ob Princess zu mir zurückkommt.
Die anderen Tiere im Haushalt scheint ihr Tod nicht zu berühren. Aber zwei Katzen kamen ihr in den letzten Tagen etwas näher und schliefen auch in ihrer Nähe, etwas, dass sie üblicherweise nicht taten. Auch die haben sicher etwas gespürt oder geahnt.

Abschiede gehören zum Leben, ob wir nun wollen oder nicht. Und sie sind immer auch ein Neubeginn, es beginnt eine Zeit ohne den geliebten Menschen, ohne das geliebte Tier, oder vielleicht auch ohne das geliebte Haus. Es gibt ja so viele verschiedene Arten von Abschieden.

Wovon oder von wem haben Sie sich in letzter Zeit verabschiedet, ob nun freiwillig oder nicht? Haben Sie es bewusst gemacht? Ich hoffe es, denn es ist eine wichtige Erfahrung.