Neue Erfahrungen
Kennen Sie das? Man ist gleichzeitig traurig und froh, dass etwas vorüber ist? Das ist doch auch ein gutes Zeichen, finden Sie nicht?
Mir geht aktuell es so. Meine erste Spielzeit mit der Theaterbühne Münchenstein ist vorbei. Neun Vorstellungen, viel gelacht, freundliches Publikum gehabt, viel Arbeit und Zeit investiert.
Mir geht aktuell es so. Meine erste Spielzeit mit der Theaterbühne Münchenstein ist vorbei. Neun Vorstellungen, viel gelacht, freundliches Publikum gehabt, viel Arbeit und Zeit investiert.
Meine ursprünglichen drei Ziele habe ich alle erreicht:
- Eine neue Erfahrung machen und somit etwas lernen
- Neue Menschen kennen zu lernen, mit denen ich zumindest ein gemeinsames Interesse habe
- Spass haben
Die Reihenfolge der obigen Ziele ist beliebig, wobei Spass, auch wenn das jetzt oberflächlich klingen mag, zuoberst stehen könnte.
Was habe ich gelernt?
- Man kann vom Theater Basel Requisiten und Kostüme ausleihen/mieten, das wusste ich vorher nicht.
- Ein simples Bühnenbild kann, wenn es fachkundig gestaltet wird, ideal bis genial sein. Wir hatten nur schwarze Tücher und in denen vier Ein-/Ausgänge, die als Türen zu verschiedenen Räumen dienten. Dann noch ein paar wenige Requisiten und schon war das Bühnenbild fertig. Mehr wäre zu viel gewesen.
- Erstaunt hat mich, wie die Darsteller und Darstellerinnen sich zunehmend in ihre Rollen hineinversetzt haben und auf der Bühne mehr und mehr zu diesen Personen geworden sind. Den einen fällt es einfacher als den anderen und es ist ein Stück weit auch abhängig von der zu spielenden Rolle.
- Perücken geben warm!
- Wie sich das Stück entwickeln kann: Im Februar war ich noch gar nicht sicher, dass das etwas wird, das ich meinen Freunden empfehlen könnte, es war zu Vieles aus meiner Sicht unmöglich schlecht. Es zeigte sich, dass primär meine fehlende Erfahrung mit Theaterschaffen zu dieser ersten Einschätzung führte. Denn in den letzten Wochen haben ein paar, deren Spielen es aus meiner Sicht nötig hatten, richtig aufgedreht. Das war nur möglich einerseits dank des Einsatzes unserer kompetenten Regisseurin, ein echtes «Duracell–Häschen» (KEIN Sexismus) mit viel Energie, und andererseits durch die Bereitschaft der Darstellerinnen, Kritik anzunehmen und diese umzusetzen zu versuchen. Diese Kritik kam nicht immer liebevoll verzuckert mit Samtschleife daher, ich glaube, das hätte auch nicht funktioniert. Manchmal braucht es heftigen und deutlichen Klartext. Beeindruckend, dass diejenigen, die am meisten davon abbekamen, keine Befindlichkeitsprobleme damit hatten. Sie konnten das von sich als Person trennen und es ging nur um die Arbeit, das Darstellen der Figur im Stück. Hört sich logisch an, aber selbstverständlich ist das nicht. Es gibt viele Leute, die Kritik an der Sache nicht von Kritik ihrer Person trennen könnten und dann wird es schwierig.
- Es war schön, zu erleben, wie aus dieser Gruppe von Menschen, die sich teilweise noch nie vorher gesehen hatten, ein richtig gut funktionierendes Team wurde. Die meisten haben für die anderen zwischendurch mitgedacht und so dazu beigetragen, dass alles zur richtigen Zeit am richtigen Ort war. (Fast) alle haben in verschiedenen Funktionen und nach ihren Möglichkeiten ihren Teil beigetragen. Die (professionelle!) Maskenbildnerin und die Pianistin kamen erst am Ende hinzu und waren sofort Teil des Ganzen.
- Der Zeitaufwand ist gross! Ich habe zusammengezählt, wie viele Stunden ungefähr ich an Proben, Aufführungen, Auf- und Abbau dabei war: 153 Stunden! Dazu kamen für die anderen noch die Stunden dazu, an denen ich krank oder abwesend war, was nochmals an die 15 Stunden macht. Und für das Ändern, Flicken und Nähen von Kostümen investierte ich einige weitere vergnügte Stunden. So viel brauchte es, um dieses etwas aus der Zeit gefallene Stück auf die Bühne und ins Leben zu bringen.
- Weiter habe ich gelernt, wie hilfreich Kostüme und Requisiten sein können, um schneller in die Rolle zu kommen. Mehr intuitiv als wissend hatte ich mir schon sehr früh mein Häubchen für das Dienstmädchen genäht. Damit war es plötzlich noch einfacher, sie zu spielen. Dasselbe galt für das Kostüm des Dieners, das ich auch früh zur Verfügung hatte. Unglaublich, was die Regisseurin für einen Fundus hat! Es gab kaum etwas, das sie nicht auftreiben konnte, wenn es nicht schon jemand anderes getan hatte.
- Ich habe erfahren dürfen, wie eine Einzelperson mit ihrem Verhalten andere stark verunsichern kann. Richtige Stars haben eben keine Starallüren. Das Ganze ist ein Team-Anlass, eine Teamleistung, und das geht viel einfacher, wenn alle bestrebt sind, pünktlich zu erscheinen und sich an Abmachungen halten.
- Ich konnte live miterleben, wie viel Arbeit es im Hintergrund vor, während und nach den Aufführungen braucht. Requisiten mussten gefunden, ausprobiert und integriert werden. Da mussten grosse Dinge transportiert werden, für die es Anhänger brauchte. Vier Profis waren viele Stunden damit beschäftigt, das Elektrische so einzurichten, dass es zuverlässig funktionierte und sicher war. Für die Verpflegung und die Bewirtung brauchte es ganz viele freiwillige Helfer und eine generalstabsmässige Organisation. Da merkt man die «Hintergrund–Profis»! Und dann gab es ja noch die Werbung, das Sponsoring, das Managen der Reservationen und und und. Es hat alles super funktioniert. Beeindruckend!
Es gäbe noch viel zu aufzuzählen, es war eine intensive Zeit. Ob ich noch mal mitmachen möchte? Meine Kinder und Freundinnen fragten mich das während der Probenzeit und ich sagte immer: fragt mich nach dem 30. April, nach der Dernière.
Mir wurde aber schon während den Vorstellungen klar, dass ich gerne in dieser Gruppe und mit dieser Regisseurin bei einem anderen Stück mitmachen würde. Dann würde ich mich vielleicht auch manchmal etwas vehementer einbringen. Diesmal war ich die «Neuzugängerin» und erst noch Theateranfängerin und habe mich insbesondere am Anfang zurückgehalten (ja, fiel mir nicht immer leicht…).
Das Teilhaben an einem Gruppenerlebnis dieser Art, in dem etwas kreativ gestaltet und dann erst noch aufgeführt wird, -aus einem Papierstoss wird eine lebendige Theaterinszenierung! -, war eines der Highlights meiner letzten Jahre.
Vielleicht haben Sie jetzt auch Lust bekommen, in Ihrer Freizeit ein wenig Theater zu spielen oder im Hintergrund mitzuwirken? Es gibt viele Theatergruppen, die sich über Zuwachs freuen würden. Ich wünsche Ihnen viel Spass dabei!