Haben Sie sich schon gefragt, was Ärztinnen in ihren Weihnachtsferien tun? Falls nein, kann ich Sie beruhigen, das haben sich wohl die meisten Menschen noch nie gefragt. Und zugegeben, wahrscheinlich ist es auch keine wichtige Frage. Wenn es Sie auch nicht interessiert, dann können Sie gleich aufhören zu lesen und haben somit Zeit gespart, um etwas Wichtigeres oder zumindest Interessanteres zu tun.

Und falls es Sie interessiert, dann erzähle ich Ihnen gerne, was ich in meinen Weihnachtsferien so mache. Allerdings ist das nicht aussagekräftig für das, was meine Kolleginnen machen, denn das weiss ich schlicht nicht. Das Thema gehört nicht zu den «Top Ten», wenn wir uns treffen.

Also, meine Weihnachtsferien: vor Weihnachten bin ich – nicht wirklich erstaunlich – mit Vorbereiten beschäftigt. An einem Tag trifft sich die ganze Familie bei mir und das ist für mich einer der schönsten Tage im Jahr. Diesmal waren wir 11 Personen zwischen 2.5 und 63 Jahren.

Da ich keinen Stress mag, plane ich so, dass ich ein paar Tage vorher schon nicht mehr arbeite und somit in Ruhe vorbereiten kann. Aber nicht, dass Sie meinen, es gäbe bei mir ein siebengängiges Menü, überhaupt nicht. Es gibt jedes Jahr mehr oder weniger unser traditionelles Weihnachtsmenü, und daran hatte bis jetzt noch niemand etwas auszusetzen. Und nein, Fondue Chinoise ist es nicht, das ist in meinem Heimatland nicht Tradition.

Nach dem grossen Fest zwinge ich mich, – ja, Sie haben richtig gelesen- zwei Tage nur zu faulenzen und zu lesen.

Ich darf an diesen Tagen nur das Nötigste im Haushalt machen und auch sonst nicht arbeiten, d.h., auch keine lustigen Sachen am Computer kreieren.
Ob Sie es glauben oder nicht, das fällt mir dann richtig schwer, da ja gerade an diesen Tagen so viel Zeit dazu wäre! Gleichzeitig geniesse ich es, auf dem Sofa zu liegen mit Hund und allenfalls auch Katzen, zu lesen, Weihnachtskekse zu essen und der Stille zuzuhören.

Um auch hier kein falsches Bild aufkommen zu lassen: ich lese keine hochstehende Lektüre, ich lese nur leichte Unterhaltungsliteratur. Dazu gehören auch Hörbücher.

Dieses Jahr waren es unter anderem ein Buch über «Katzen auf Rezept»*, das mir meine jüngere Tochter geschenkt hat. Es ist ein japanisches Buch und die liebe ich ganz besonders, da so vieles fremd und anders ist, sowohl die Denk- wie die Lebensweise. Daneben habe ich zwei äusserst unterhaltsame Krimis* gehört über einen frechen, scharfzüngigen, humorvollen und sehr schlauen Anwalt aus Amerika gehört, hervorragend gelesen von Grover Gardener. In seinen Büchern kommen, mehr oder weniger am Rande, immer auch Hunde vor. Somit herrscht literaturmässig ein Gleichgewicht, was meine Haustiere angeht. Und dann noch ein Schweizer Krimi*, der sehr erfrischend und überraschend war auf vielen Ebenen.

Ein weiterer genüsslicher Teil ist, die Reste vom Weihnachtsessen aufzuessen und die vielen unterschiedlichen leckeren Weihnachtskekse zu probieren, die ich geschenkt bekommen habe. Ich muss gestehen, nicht alle essbaren Geschenke haben bis Weihnachten überlebt, einige haben vorher „um verzehrt werden gebettelt“ und ich habe dem immer grosszügig stattgegeben.

Nebst viel schlafen und langen Spaziergängen waren das nun die angenehmen Sachen.

Was auch Teil der Beschäftigung in meinen Weihnachtsferien ist, sind Statistiken für die Medizinische Gesellschaft und für den Bund zu erstellen. Ich kenne keine andere Berufsberufsgruppe, die derartige Statistiken ausfüllen muss – wenn nicht, werden wir hoch gebüsst –. Jedenfalls hat sich noch nie ein Jurist, ein Pfarrer, ein Lehrer oder ein Schreiner bei mir darüber beklagt, dass sie so etwas ausfüllen müssen. Dann gilt es, die Buchhaltung in Ordnung zu bringen für den Treuhänder, sowie alles Liegengebliebene auf dem Schreibtisch (halbwegs) aufzuräumen.

Dieses Jahr kam noch intensive Beschäftigung mit dem neuen Abrechnungssystem TARDOC hinzu, das ab 1. Januar 2026 gilt. Das ist zu unlustig, als dass ich mich hier weiter darüber auslassen mag.

Zwischendurch treffe ich Freundinnen oder eines meiner Kinder, sozusagen als Belohnung für die Büroarbeit.

Ziemlich unspektakulär, nicht wahr? Ja, stimmt. Und für mich stimmt das so. Ich bin nicht die, die zwischen den Jahren gross auf Partys geht oder Kreuzfahrtfahrten unternimmt. Ich liebe es, in dieser Zeit zu Hause zu sein. Denn da ist ja immer noch die Weihnachtsdekoration und der geschmückte Tannenbaum und die vielen Lichterketten. Auch wenn ich den Winter nicht besonders mag, die Weihnachtszeit mag ich sehr.

Wenn Sie bis hier gelesen haben, dann haben Sie mittlerweile mitgekriegt, dass meine Weihnachtsferien für Aussenstehende nichts Besonderes oder Aufregendes sind. Für mich sind sie genau richtig! Ich hoffe, Sie verbringen auch schöne Tage zwischen den Jahren genau so, wie Sie sie gern haben.

*Ein Teil meiner Ferienlektüre:
«We’ll prescribe you a cat” von Syou Ishida
«Best in Snow» von David Rosenfelt, gelesen von Grover Gardener
«Sants’s Little Yelpers» von David Rosenfelt, gelesen von Grover Gardener
«Frau Morgenstern und das Böse» von Marcel Huwyler